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Bombay Sapphire - warum Asien glänzt

04. Februar 2010
Er gilt als Gentleman-CEO unter den Luxusmanagern: Meist diskret im Hintergrund, ausgestattet mit einer guten Portion Humor, Sinn für Kunst und Kultur - und mit einem goldenen Händchen für seine Marke Montblanc: Geschäftsführer Lutz Bethge. Der Hamburger Firmenchef über die exotischen Shopping-Gewohnheiten der Inder und darüber, was Deutsche von den Chinesen lernen können. Wer Anfang 2009, am Höhepunkt der Wirtschaftskrise beispielsweise Aktien der Luxuskonzerne LVMH, Hermès oder Richemont gekauft hätte, hätte heute (Stand Ende Januar 2020) sein Investment nahezu verdoppelt. Erholt sich der Luxusmarkt schneller als andere Wirtschaftssparten? Als Geschäftsführer von Montblanc steht es mir nicht an, beispielsweise die Aktie von Richemont zu kommentieren, das tun die zuständigen Finanzexperten an der Konzernspitze... ... Sie wiederum sind ein Experte für Luxusgüter ... ... und so vermag ich auch nur etwas zum Prinzip der allgemeinen Entwicklung zu sagen. Sind die gestiegenen Aktien Indikator für tatsächlich wieder steigenden Konsum? Nun, wir sind froh, dass sich in den letzten Monaten das Konsumklima deutlich verbessert hat. Dass die Aktien aber schon so früh und so gigantisch gestiegen sind, liegt daran, dass im Aktienmarkt immer die künftige Entwicklung voraus genommen wird. Noch bevor in der Weltwirtschaft irgendetwas real passierte, waren auf Basis des Bankencrashs alle negativ eingestellt. Egal, ob die Firmen noch Exportaufträge hatten oder ein Superergebnis brachten, sind die Aktien abgestürzt; folglich haben die Analysten sie nach unten bewertet. Die berühmte Börsenpsychologie? Ja, natürlich. Je nachdem, ob man glaubt, die Zukunft werde besser oder schlechter, wirkt sich dies auf die Kurse aus. Als Anfang bis Mitte 2009 eine Art Bodenbildung stattgefunden hatte und Investoren glaubten, es könne nicht mehr schlimmer kommen, fingen die Ersten wieder vorsichtig in den Markt einzusteigen. In der Erwartung, auf zukünftige Gewinne, stiegen die Aktien – das ist ein Grund für die große Differenz. Stimmt es, dass derzeit die meisten Umsätze im Luxussegment in Asien gemacht werden? Definitiv. Gerade China als Wachstumsmarkt gewinnt an immer größerer Bedeutung. Mittlerweile gibt es eine größer werdende Mittelklasse, die sich etwas leisten kann und möchte – ein Potential das schon vor 2-3 Jahren auf 0.5 Prozent der Bevölkerung geschätzt wurde. Hört sich nicht viel an, sind aber doch über 60 Mllionen Kunden, die Luxusgüter erwerben können, d. h. auch im eigenen Markt wird die Nachfrage angeregt. China gehört zu den so genannten BRIC-Staaten – ein von Goldman Sachs geprägter Begriff für die „Schwellenländer“ Brasilien, Russland, Indien und China, die sich durch überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum auszeichnen. Montblanc engagiert sich sehr in Indien – the next big thing? Die Marke Montblanc ist in Indien die Luxusmarke, die bei weitem das größte Distributionsnetz hat. Insgesamt sind wir dort mit 17 eigenen Boutiquen vertreten. Wir sehen sehr wohl eine große Zukunft. Die Frage ist, ob der Markt so groß wie der chinesische sein wird und wie schnell sich die Chancen verwirklichen. In Indien ticken die Uhren anders. Hierzulande ist vielen nicht bewusst, dass es in Indischen Metropolen keine „Madison Avenue“ oder „Monte Napoleone“ gibt. Die Infrastruktur ist anders ausgelegt als beispielsweise in China. Ja, das ist die Schwierigkeit für das typische Luxusgeschäft; es findet bislang fast ausschließlich in den Hotels statt. Das erlaubt nur kleinere und nicht für alle sichtbare Geschäfte und limitiert dadurch die Anzahl der Kunden. Klingt exotisch. Ein Beipiel: In Mumbai haben Sie Straßen wie in Favelas, daneben steht ein großer Büroturm mit einem Hotel in der Nachbarschaft; daneben schlafen Menschen wieder auf der Straße. Man kann dort keine „Luxusstraße“ etablieren, weil unter Umständen dann nachts die Menschen vor Ihren Geschäften schlafen. Die einzige Möglichkeit sind bislang die Plattformen der Hotels. Werden Alternativen entwickelt? Shopping-Malls. Das Model hat aber bisher in Indien noch nicht so richtig funktioniert. Wieso? Indische Konsumenten möchten es nicht notwendigerweise zeigen, wenn sie Luxusprodukte kaufen. Man geht weder in Hotels noch in den Malls mit großen Tüten ein und aus. Zur Zeit sind eine Unmenge Shopping-Mall-Projekte am Laufen. Die meisten sind allerdings eher mittleres Niveau. Das ist eine zusätzliche Schwierigkeit. Erst wenn sich die erste Luxusshoppingmall erfolgreich etabliert hat und die Käufer ihre Scheu überwunden haben, öffentlich auch Luxusgüter zu erwerben, wird der Markt einfacher. Ist Shop-Scheu die einzige Schwierigkeit? In Indien gibt es nach wie vor drakonische Einfuhrzölle. Entweder erhöht man die Preise weit über das internationale Preisniveau oder man verzichtet auf Marge. Beides ist nicht ideal und erschwert den Ausbau des Marktes. Was können die Luxus-verklemmten Deutschen von den Chinesen lernen? Wir Deutsche haben nicht unbedingt die Leichtigkeit des Seins erfunden. Wir sind dem Thema Luxus gegenüber nicht ganz so aufgeschlossen wie das in südlichen Ländern und in Asien der Fall ist. Wenn es in China jemand nach Jahren des Staatskommunismus endlich geschafft hat, auf eigenen Beinen zu stehen, das erste Geld verdient hat, um sich einen Montblanc-Füller zu kaufen, ist er stolz darauf. Das möchte er seinen Freunden und allen mitteilen in dieser Welt.
Luxusaktien, Wachstum